Der große Anti-Diskriminierung-Ratgeber von Silvertimes für dein Leben ab 50.
Mal Hand aufs Herz: Wie oft hast du in den letzten Jahren gedacht: „Dafür bin ich wohl zu alt“ oder „Die wollen doch eh nur Junge“?
Wenn du über 50 bist, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du Altersdiskriminierung schon erlebt hast. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes berichtet, dass in der Gruppe ab 45 Jahren vor allem im Arbeitsleben Altersdiskriminierung wahrgenommen wird, und zwar von rund 39 Prozent der Befragten. Auch im Gesundheitsbereich, bei Geschäften, Finanzen und Dienstleistungen sowie auf dem Wohnungsmarkt werden viele Menschen wegen ihres Alters benachteiligt.

Dieser Silvertimes-Ratgeber will dich stärken. Er zeigt dir, was Altersdiskriminierung rechtlich und gesellschaftlich bedeutet, wo sie im Alltag auftaucht, welche gesundheitlichen Folgen sie hat und vor allem, was du konkret dagegen tun kannst – online und offline.
1. Was ist Altersdiskriminierung, was ist Ageismus?
1.1 Klare Definition
Altersdiskriminierung heißt: Menschen werden allein aufgrund ihres Lebensalters schlechter behandelt, abgewertet oder ausgeschlossen, obwohl es keinen sachlichen Grund dafür gibt.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von Ageismus, also Stereotypen (wie wir denken), Vorurteilen (wie wir fühlen) und diskriminierendem Verhalten (wie wir handeln) gegenüber anderen oder uns selbst, nur weil wir ein bestimmtes Alter haben.
Kurz gesagt:
- Du bekommst eine Stelle nicht, obwohl du fachlich passt, nur weil du „zu alt“ bist.
- Dein Kredit wird abgelehnt, obwohl deine Bonität stimmt, nur weil du eine bestimmte Altersgrenze überschreitest.
- Du wirst beim Arzt weniger ernst genommen, weil deine Beschwerden als „Alterserscheinung“ abgetan werden.
Wichtig ist zu verstehen, dass das kein natürlicher Teil des Älterwerdens, sondern gesellschaftliches Fehlverhalten ist! Und dagegen kann – und sollten wir aktiv angehen!
1.2 Rechtlicher Rahmen in Deutschland
In Deutschland schützt dich vor allem das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG):
- Es verbietet Benachteiligungen wegen des Alters in Beschäftigung und Beruf sowie bei Alltagsgeschäften wie Kaufverträgen, Versicherungen oder banküblichen Krediten.
- Du kannst bei Verstößen Beseitigung, Unterlassung, Schadensersatz und Schmerzensgeld verlangen.
Wichtig: Das Grundgesetz nennt das Lebensalter bisher nicht ausdrücklich als Diskriminierungsmerkmal. Das bemängeln Fachleute seit Jahren. Die Antidiskriminierungsstelle weist selbst darauf hin, dass es kein ausdrückliches Verbot der Altersdiskriminierung im Grundgesetz gibt, anders als etwa in der Schweiz oder in skandinavischen Staaten. Das ist ein Unding und muss geändert werden!!
1.3 Wann ist eine Ungleichbehandlung erlaubt?
Nicht jede unterschiedliche Behandlung nach Alter ist verboten. Das AGG erlaubt Ausnahmen, wenn sie objektiv gerechtfertigt sind und einem legitimen Ziel dienen, etwa:
- Jugendschutzregeln,
- Altersgrenzen für bestimmte gefährliche Tätigkeiten,
- Vergünstigungen für Senioren, zum Beispiel im ÖPNV oder in Museen.
Entscheidend ist stets: Es braucht einen sachlichen Grund. „Zu alt, weil wir ein junges Team sind“ ist keiner.
2. Zahlen, Fakten, Studien: Wie groß ist das Problem der Altersdiskriminierung und des Ageismus?
2.1 Deutschland im Überblick
Einige aktuelle Befunde:
- In einer Kurzstudie der Antidiskriminierungsstelle von 2025 berichten in der Altersgruppe ab 45 Jahren 39 Prozent von Altersdiskriminierung im Arbeitsleben, 27 Prozent im Gesundheitsbereich, 24 Prozent bei Geschäften und Dienstleistungen und 22 Prozent auf dem Wohnungsmarkt.
- Das Deutsche Zentrum für Altersfragen zeigt, dass insbesondere Menschen zwischen 66 und 75 deutlich häufiger Benachteiligungen wegen des Alters wahrnehmen als der Durchschnitt.
- Die Bevölkerung altert rasch. Bereits 2022 waren rund 22,1 Prozent der Menschen in Deutschland über 65 Jahre alt.
Trotzdem orientieren sich viele Strukturen weiterhin an einer „jugendlichen Norm“ und blenden diese Realität aus.
2.2 Ageismus als globales Gesundheitsrisiko
International stuft die WHO Ageismus als sozialen Gesundheitsfaktor ein:
- Weltweit hält etwa jeder zweite Mensch ageistische Einstellungen gegenüber Älteren (!)
- Laut UN/WHO lassen sich weltweit rund 6,3 Millionen Depressionen direkt auf Ageismus zurückführen.
- In den USA verursacht Ageismus pro Jahr geschätzt 63 Milliarden Dollar zusätzliche Gesundheitskosten für nur acht große Krankheitsgruppen.
Ageismus ist damit kein „Luxusthema“, sondern ein handfestes Risiko für die Gesundheit, die soziale Teilhabe und Volkswirtschaften.
3. Wie zeigen sich Altersdiskriminierung und Ageismus im Alltag?
Altersdiskriminierung ist oft nicht spektakulär, sondern klebrig und alltäglich. Genau dadurch ist sie so gefährlich.
3.1 Im Arbeitsleben
Typische Beispiele:
- Stellenanzeigen, die „junges, dynamisches Team“ hervorheben oder Altersobergrenzen setzen. Gerichte haben Formulierungen wie „junges Team“ bereits als Verstoß gegen das AGG bewertet.
- Bewerbungen von über 50-Jährigen, die nie zum Gespräch führen, obwohl Profil und Erfahrung passen.
- Fortbildungen, die fast nur Jüngeren angeboten werden, während Ältere als „lohnt sich nicht mehr“ abgestempelt werden.
- Beförderungen, die an Jüngere gehen bei der Begründung „wir brauchen frischen Wind“, obwohl Leistung und Erfahrung eindeutig für den Älteren sprechen.
Die Antidiskriminierungsstelle berichtet, dass gerade Frauen ab Mitte 40 und Männer ab 50 besonders häufig Diskriminierung bei der Arbeitssuche und im Job schildern.

3.2 Im Gesundheitswesen
Im Bereich der Gesundheit kann Altersdiskriminierung sogar lebensgefährlich werden:
- Beschwerden werden als „normal in dem Alter“ abgewertet, Diagnostik oder Therapie werden nicht mehr voll ausgeschöpft.
- Älteren werden belastende Behandlungen eher vorenthalten, auch wenn sie medizinisch sinnvoll wären.
- Untersuchungen zeigen, dass ein erheblicher Teil der Patientinnen und Patienten Diskriminierungserfahrungen im Gesundheitsbereich angibt.
Gleichzeitig ist gut belegt, dass positive Altersbilder zu besserer psychischer Gesundheit, weniger Stress und geringeren Entzündungswerten beitragen.
3.3 Bei Finanzen, Wohnen und Dienstleistungen
- Banken arbeiten mit starren Altersgrenzen für Kredite, teilweise unabhängig von Sicherheiten oder Einkommen. In Untersuchungen gaben mehr als die Hälfte der Banken solche pauschalen Altersgrenzen zu.
- Versicherungen verlangen höhere Prämien oder schließen ältere Kundengruppen komplett aus.
- Auf dem Wohnungsmarkt werden ältere Bewerber als „nicht mehr flexibel“ oder „bald pflegebedürftig“ aussortiert, auch wenn sie finanziell abgesichert sind.
3.4 Im Internet, in Social Media, im digitalen Raum
- Wichtige Dienste sind nur über Apps mit komplizierter Bedienung verfügbar.
- Online-Ident-Verfahren, Zwei-Faktor-Authentifizierung oder Mini-Schriftgrößen schließen Menschen aus, die nicht perfekt sehen oder nicht mit dem Smartphone groß geworden sind.
- In Kommentarspalten werden Ältere gern als „Boomer“ verspottet und als Technikversager hingestellt.
Das verstärkt die digitale Spaltung und führt dazu, dass Ältere gesellschaftliche Entwicklungen schlechter mitgestalten können.
3.5 Mikroaggressionen im Alltag
Besonders perfide sind die kleinen täglichen Nadelstiche gegen Menschen über 50:
- „Für dein Alter siehst du aber gut aus.“
- Im Meeting wird dein Beitrag übergangen, dann bringt ein Jüngerer denselben Punkt und bekommt Applaus.
- Du wirst im Gespräch automatisch geduzt oder „Oma“, „Opa“, „die Alte“ genannt, unabhängig vom Kontext.
- Man spricht über dich statt mit dir, besonders in Arztpraxen oder Behörden.
Solche Mikroaggressionen summieren sich. Sie signalisieren dir: „Du zählst weniger, weil du älter bist.“
4. Warum wird Altersdiskriminierung so oft bagatellisiert?
4.1 „Ist doch normal im Alter“ – die große Selbsttäuschung
Viele Menschen halten Altersdiskriminierung für eine Art Naturgesetz. Typische Sätze sind daher beispielsweise:
- „Irgendwann sind die Jüngeren dran, das ist der Lauf der Dinge.“
- „Mit 60 muss man auch nicht mehr jeden Job machen.“
Das Problem ist: Damit wird ein gesellschaftliches Unrecht in eine private Schicksalsfrage umgedeutet. Aus „mir wird Unrecht getan“ wird „ich bin halt alt“.
Fachleute betonen, dass Altersdiskriminierung die Teilhabechancen im Alter beschneidet und verhindert, dass Potenziale wie Erfahrung; Know-how und Zeitressourcen genutzt werden.
4.2 Verinnerlichter Ageismus
Ageismus trifft uns nicht nur von außen. Wir übernehmen ihn auch selbst.
- Du machst dich über deine Falten oder dein „Altershirn“ lustig.
- Du traust dir bestimmte Dinge nicht mehr zu, obwohl du sie objektiv könntest.
- Du entschuldigst dich ständig mit „dafür bin ich zu alt“, auch ohne dass jemand dich ausgeschlossen hätte.
Studien zeigen, dass negative Selbstbilder im Alter das Depressionsrisiko erhöhen, die kognitive Leistungsfähigkeit verschlechtern und sogar die Lebenserwartung senken können. So treibst du dich selbst ins Ungemach!
4.3 Unsichtbarkeit im Recht und in der Politik
- Das Grundgesetz nennt das Lebensalter nicht ausdrücklich als geschütztes Merkmal, während andere Formen der Diskriminierung klar benannt sind.
- Ein eigenes UN-Menschenrechtsabkommen speziell für ältere Menschen existiert bislang nicht.
Das signalisiert: Alter ist rechtlich „mitgemeint“, aber nicht prominent geschützt. Diese Lücke trägt dazu bei, dass Altersdiskriminierung weniger Aufmerksamkeit bekommt als andere Diskriminierungsformen. Das müssen wir dringend ändern!
4.4 Schweigen aus Angst und Scham
Viele von Altersdiskriminierung und Ageismus Betroffene
- fürchten Ärger im Job,
- schämen sich, „alt“ genannt zu werden,
- oder zweifeln, ob das Erlebte „schlimm genug“ für eine Beschwerde ist.
So bleibt die Dunkelziffer hoch und die öffentliche Debatte klein.
5. Warum ignorieren die Massenmedien Altersdiskriminierung und Ageismus?
5.1 Jugendkult und „werberelevante Zielgruppe“
In Fernsehen und Werbung dominiert seit Jahrzehnten die „werberelevante Zielgruppe“ 14 bis 49 Jahre.
Die Folge:
- Formate werden auf ein vermeintlich junges Publikum zugeschnitten.
- Ältere Menschen gelten als weniger interessant, obwohl sie einen großen Teil der Zuschauer stellen und über erhebliche Kaufkraft verfügen.
5.2 Klischees statt Vielfalt
Studien zu Altersbildern in Medien zeigen immer wieder dieselben Muster:
- Ältere als gebrechlich, vergesslich, abhängig.
- Ältere als Problemfall, Kostenfaktor oder „Pflegefall in Warteschleife“.
- Kaum Rollen, in denen Ältere beruflich erfolgreich, kreativ, lustig, sexy oder politisch aktiv sind.
Selbst wenn ältere Figuren vorkommen, landen sie oft in Stereotypen: „feisty“ (aufmüpfig), „frail“ (gebrechlich) oder „fiendish“ (böse), wie Analysen aktueller Filme zeigen.
6. Gesundheitliche Folgen von Ageismus
Altersdiskriminierung ist kein „weiches“ Thema, sondern ein ernstes Risiko für Körper und Seele.
6.1 Psychische Gesundheit
Die WHO und aktuelle Übersichtsarbeiten zeigen:
- Ageismus steigert das Risiko für depressive Symptome deutlich.
- Weltweit lassen sich rund 6,3 Millionen Depressionsfälle auf Ageismus zurückführen.
- Ageistische Erfahrungen und verinnerlichte negative Altersbilder erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Suizidgedanken bei Älteren.
Hinzu kommen indirekte Effekte:
- Wer sich minderwertig und nutzlos fühlt, bewegt sich weniger, pflegt weniger Kontakte, traut sich weniger zu.
- Das verstärkt wiederum Einsamkeit, Angststörungen und Depression.
6.2 Körperliche Gesundheit
Ageismus:
- fördert Risikoverhalten wie ungesunde Ernährung, zu wenig Bewegung und problematischen Alkoholkonsum,
- verschlechtert die Behandlungshäufigkeit und -qualität im Gesundheitssystem,
- beschleunigt kognitive und funktionelle Einbußen.
Für die USA wurde berechnet, dass Ageismus bei älteren Menschen in einem Jahr 17 Millionen zusätzliche Krankheitsfälle und Gesundheitskosten von 63 Milliarden Dollar verursacht.
6.3 Positive Altersbilder wirken wie ein Schutzfaktor
Die gute Nachricht ist:
- Studien zeigen, dass positive Selbstbilder im Alter mit geringeren Entzündungswerten, besserem Stressprofil und höherer Lebenszufriedenheit verbunden sind.
- Lebensstilfaktoren wie Bewegung, geistige Aktivität und soziale Teilhabe können die Hirnleistung auch im höheren Alter erhalten oder verbessern.
Ageismus ist also nicht nur ein moralisches, sondern auch ein handfestes Gesundheits- und Präventionsthema.
7. Typische Altersstereotype – und die Wirklichkeit
Hier ein paar der hartnäckigsten Vorurteile, die du im Alltag wahrscheinlich oft hörst.
7.1 „Ältere können nichts Neues lernen“
Falsch.
Die Neurowissenschaft zeigt klar:
- Unser Gehirn bleibt plastisch bis ins hohe Alter.
- Ältere können neue Fähigkeiten erlernen, Sprachen, Instrumente, digitale Tools.
- Kognitive Trainings, körperliche Aktivität und soziale Stimulation fördern sogar das Wachstum neuer Nervenzellen und verbessern Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit.
Unterschiede sind individuell und hängen viel stärker von Gesundheit, Bildung, Training und Umfeld ab als vom Geburtsjahr.
7.2 „Ältere sind gebrechlich und krank“
Teilweise.
Mit dem Alter steigen zwar viele Erkrankungsrisiken, aber:
- Es gibt sehr viele über 60, 70 oder 80, die körperlich fit, sportlich aktiv und belastbar sind.
- Der Neunte Altersbericht der Bundesregierung betont ausdrücklich die Vielfalt der Potenziale und Lebenslagen im Alter, nicht nur Defizite.
Alter allein sagt wenig über deine tatsächliche Leistungsfähigkeit aus.
7.3 „Ältere sind einsam und unsozial“
Teilweise.
Ja, Einsamkeit ist ein reales Risiko im Alter, aber:
- Viele Ältere pflegen enge Freundschaften, Partnerschaften, familiäre Netze und engagieren sich ehrenamtlich, politisch oder kulturell.
- Intergenerationelle Projekte zeigen, dass ältere und jüngere Menschen enorm voneinander profitieren und Vorurteile abnehmen, wenn sie sich regelmäßig begegnen.
7.4 „Ältere sind unflexibel im Job“
Sehr verkürzt.
Erfahrung bringt:
- Überblick, Urteilsvermögen und Konfliktkompetenz,
- hohe Zuverlässigkeit und Loyalität,
- oft eine starke Identifikation mit dem Unternehmen.
Wenn Arbeitgeber Älteren keine Weiterbildung mehr anbieten, ist das kein Beweis mangelnder Lernbereitschaft, sondern ein Zeichen von Ageismus in Personalentscheidungen.
8. Was kannst du konkret gegen Altersdiskriminierung tun?
Jetzt wird es praktisch. Du kannst einiges bewegen – für dich selbst und für andere.
8.1 Erste Hilfe im Einzelfall: ruhig bleiben, dokumentieren, abklären

- Atme durch
Spontane Wut ist verständlich, hilft aber selten. - Dokumentiere alles
- Datum, Uhrzeit, Ort,
- Beteiligte Personen,
- genaue Aussagen oder Handlungen,
- mögliche Zeugen,
- E-Mails, Fotos, Briefe, Chatverläufe, Screenshots.
- Prüfe, ob das AGG greift
Geschützt bist du zum Beispiel bei:
- Bewerbungen, Arbeitsverhältnis, Kündigung
- Mietverträgen, Zugang zu Waren und Dienstleistungen
- Versicherungen und Banken
- Sprich den Vorfall an
Oft hilft ein ruhiges Gespräch, etwa:
„Ich habe den Eindruck, dass mein Alter hier eine Rolle spielt. Das empfinde ich als unfair und möchte das klären.“
Manchmal ist es Unbedachtheit, manchmal nicht. Klarheit brauchst du so oder so.
8.2 Formelle Beschwerde im Job
Im beruflichen Kontext hast du zusätzliche Rechte:
- Nach § 13 AGG hast du ein Beschwerderecht beim Arbeitgeber. Jeder Betrieb muss eine entsprechende Stelle benennen, an die du dich wenden kannst.
- Du kannst dich auch an Betriebsrat oder Personalrat wenden.
- Wichtig: Ansprüche auf Entschädigung oder Schadensersatz nach dem AGG müssen innerhalb von zwei Monatenschriftlich geltend gemacht werden, nachdem du von der Benachteiligung erfahren hast.
Hier kann arbeitsrechtliche Beratung oder ein Fachanwalt helfen.
Formulierungsbeispiel für eine schriftliche Beschwerde:
„Hiermit beschwere ich mich gemäß § 13 AGG über eine Benachteiligung wegen meines Alters. Am [Datum] wurde mir von [Name] mitgeteilt, dass […] mit der Begründung […]. Ich bitte um Prüfung und Mitteilung der ergriffenen Maßnahmen.“
8.3 Wichtige Anlaufstellen in Deutschland
Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS)
- Bietet kostenlose Beratung, auch speziell zu Altersdiskriminierung
- Kontakt über Online-Formular oder telefonisch, aktuelle Kontaktdaten findest du auf der Website der ADS
- Unterstützt bei der Einschätzung deines Falls und den nächsten Schritten
Lokale Antidiskriminierungsstellen
- Viele Bundesländer und Kommunen haben eigene Stellen, gerade in größeren Städten
- Sie bieten Erstberatung, Begleitung und teils auch Vermittlung
Verbraucherzentralen
- Helfen bei Problemen mit Banken, Versicherungen, Telekommunikationsanbietern und anderen Dienstleistern
- Beratungsstellen gibt es in allen Bundesländern; Termine und Kontakt findest du über die bundesweite Website
Gewerkschaften und Berufsverbände
- Bieten arbeitsrechtliche Beratung, oft auch spezielle Angebote für ältere Beschäftigte,
- Unterstützen bei der Vorbereitung von Gesprächen, Beschwerden und Klagen.
Wichtig: Diese Silvertimes-Informationen ersetzen keine individuelle Rechtsberatung, aber sie sind ein guter Startpunkt.
8.4 Online aktiv werden
Du kannst das Netz zu deinem Verbündeten machen:
- Erfahrungen teilen
In Foren, auf Plattformen wie Silvertimes oder Blogs kannst du deine Geschichte anonymisiert schildern und anderen Mut machen. - Kampagnen unterstützen
- Social-Media-Kampagnen machen Ageismus sichtbar und zeigen starke Vorbilder.
- Internationale Initiativen gegen Ageismus sammeln Materialien, Argumente und Werkzeuge für dein Engagement.
- Bewertungen nutzen
Wenn Unternehmen altersfeindlich auftreten, kannst du sachliche Online-Bewertungen verfassen. Wichtig ist, bei der Wahrheit zu bleiben und keine Beleidigungen zu schreiben.

8.5 Psychische Selbstfürsorge: Nicht kleiner machen lassen
Altersdiskriminierung geht unter die Haut. Deshalb:
- Nimm deine Gefühle ernst
Wut, Kränkung, Traurigkeit sind verständliche Reaktionen. - Hole dir Unterstützung
Gespräche mit Freunden, Selbsthilfegruppen, Coaching oder Psychotherapie können helfen, Selbstwert und Handlungsspielraum zurückzugewinnen. - Pflege dein positives Altersbild
Statt „ich werde alt“ lieber: „Ich sammle Erfahrung, werde klarer, weiß besser, was ich will.“ Studien zeigen, dass solche positiven Selbstbilder deine psychische und körperliche Gesundheit schützen.
9. Ageismus erkennen und im Alltag stoppen
9.1 Typische Sätze, bei denen du hellhörig werden solltest
- „Dafür bist du jetzt langsam zu alt.“
- „Das machen bei uns die Jüngeren.“
- „Wir suchen jemanden mit 3 bis 5 Jahren Berufserfahrung.“
- „Die Alten verstehen das mit der Technik eh nicht.“
Stelle dir in solchen Momenten innerlich die Frage:
Wäre dieser Satz genauso gefallen, wenn es um Geschlecht, Religion oder Herkunft ginge?
Wenn die Antwort „Nein“ ist, hast du einen guten Hinweis auf Ageismus.
9.2 Konter gegen Altersdiskrimierung, die respektvoll, aber klar sind
Du musst keine Standpauke halten. Oft reicht ein kurzer, klarer Satz:
- „Mir ist wichtig, dass meine Leistung zählt, nicht mein Alter.“
- „Können wir bitte über meine Qualifikationen sprechen statt über mein Geburtsjahr?“
- „Die Formulierung wirkt auf mich abwertend. So möchte ich nicht angesprochen werden.“
Wenn du dich sicher fühlst, kannst du ergänzen:
- „Altersdiskriminierung ist rechtlich genauso unzulässig wie andere Formen der Diskriminierung. Ich wünsche mir einen respektvollen Umgang.“
9.3 Eigene Vorurteile prüfen
Ageismus sitzt tief. Auch in uns selbst.
Fragen zur Selbstreflexion:
- Wie denke ich spontan über Menschen über 50, die etwas Neues anfangen?
- Lache ich über Witze auf Kosten „der Alten“ oder „der Jungen“?
- Verwende ich selbst Sätze wie „in meinem Alter macht man das nicht mehr“ ohne fachlichen Grund?
Je bewusster du deine eigenen Muster erkennst, desto glaubwürdiger trittst du gegen Ageismus auf.
10. Was können Unternehmen, Medien und Politik tun?
Du bist nicht allein verantwortlich. Strukturen müssen sich ändern.
10.1 Unternehmen
- Altersgemischte Teams fördern
Die Forschung zeigt, dass gemischte Teams oft stabiler, loyaler und produktiver sind. - Weiterbildung für alle Altersgruppen
Schulungen nur für Jüngere sind ein klassischer Ageismus-Fall. - AGG-Beschwerdestelle ernst nehmen
Nicht als Alibi, sondern als echte Anlaufstelle mit transparentem Verfahren. - Trainings gegen Ageismus
Sensibilisierungsworkshops, die Stereotype aufbrechen und echte Biografien älterer Beschäftigter sichtbar machen.
10.2 Medien und Werbung
- Altersbilder diverser zeigen
Nicht nur Rentner mit Rollator, sondern aktive, arbeitende, liebende, zweifelnde, suchende Menschen über 50, 60, 70. - Sprache überprüfen
Weg von Formulierungen, die Alter automatisch mit Defizit verbinden. - Zielgruppenlogik überdenken
Studien zeigen seit Jahren, dass Ältere hohe Kaufkraft haben und länger arbeiten. Trotzdem hängen viele Medien an der alten 14 bis 49 Logik. Deshalb scheitern die meisten Unternehmen, Marken und Organisationen an einem authentischen und effektiven „Marketing 50plus“.
10.3 Politik
- Altersdiskriminierung ausdrücklich im Grundgesetz benennen
Umfragen zeigen, dass eine Mehrheit der Bevölkerung dafür ist, das Lebensalter ausdrücklich im Diskriminierungsverbot zu verankern. - UN-Konvention für die Rechte älterer Menschen unterstützen
Nationale Menschenrechtsinstitutionen drängen seit Jahren darauf. - Ageismus als Querschnittsthema in Gesundheits-, Sozial- und Arbeitsmarktpolitik verankern.
- Online-Petitionen starten und unterschreiben.
11. Dein persönlicher Handlungsplan gegen Altersdiskriminierung
Zum Schluss ein kompakter Fahrplan von Silvertimes, den du dir abspeichern und/oder ausdrucken kannst.
Wahrnehmen
- Achte in deinem Alltag bewusst auf Aussagen und Situationen, in denen Alter eine Rolle spielt.
- Frage dich: „Würde ich das auch so sagen, wenn es um ein anderes Merkmal ginge?“
Dokumentieren - Halte alle relevanten Vorfälle schriftlich fest.
- Sammle Belege und mögliche Zeugen.
Informieren
Prüfe, ob dein Fall unter das AGG fällt.
Nutze Informationsangebote der Antidiskriminierungsstelle und anderer seriöser Stellen.
Ansprechen
Sprich diskriminierende Situationen möglichst früh an, zunächst sachlich und direkt.
Nutze Gesprächsformulierungen, die klar, aber nicht aggressiv sind.
Rechte nutzen
Im Arbeitskontext Beschwerderecht nach § 13 AGG nutzen.
Fristen für Entschädigungsansprüche nach § 15 AGG beachten.
Bei Bedarf anwaltliche Beratung einholen.
Vernetzen
Schließe dich Initiativen, Verbänden oder Online-Communities wie Silvertimes an, die sich gegen Ageismus und Altersdiskriminierung einsetzen.
Unterstütze Kampagnen, die positive Altersbilder zeigen.
Selbstbild stärken
Pflege deine körperliche, geistige und soziale Aktivität.
Ersetze negative innere Altersbilder durch realistische, wertschätzende Sichtweisen auf dich selbst.
Fazit
Altersdiskriminierung und Ageismus sind keine Randphänomene, sondern ein unterschätztes Gift in unserem Alltag. Sie nimmt dir Chancen, kostet Gesundheit und Geld und schwächt den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Genauso klar ist aber: Du bist dem nicht hilflos ausgeliefert!
Je besser du deine Rechte kennst, je bewusster du ageistische Muster erkennst und je konsequenter du dich mit anderen verbindest, desto schwerer hat es Ageismus in deinem Umfeld.
Du wirst älter.
Du wirst erfahrener.
Und du hast jedes Recht, sichtbar, wirksam und respektiert zu bleiben!
Dabei steht dir Silvertimes vertrauensvoll und medienwirksam zur Seite.
